Anleitung zum Quartettspiel

Jutta Stüber

Anleitung zum Quartettspiel in reiner Stimmung

Band 72 der Orpheus-Schriftenreihe, 325 Seiten, Ganzleinen, 43,00 €
ISBN 3-922626-72-6.
In englischer Übersetzung: String Quartet Playing with Pure Intonation – Guidelines,
translated by Carl A. Poldy, 333 p., € 43,00
ISBN 3-922626-30-0

Zwei Fakten, der Musikwissenschaft an sich seit jeher bekannt, beginnen sich herumzu­sprechen und einer breiteren Öffentlichkeit bewußt zu werden:

– daß die gleichstufige Temperierung, mit der man die Tonvielfalt auf zwölf Töne in der Okta­ve begrenzen wollte, nicht aushörbar und damit auch nicht ausführbar ist und

– daß das heute übliche Dauervibrato unhistorisch ist und in den großen Zeiten der Musik ver­pönt war.

Es sind unbequeme Fakten, unbequem, weil sie der heutigen Musizierpraxis gewisserma­ßen die Geschäftsgrundlage entziehen und in ein Handeln einmünden müßten, zu dem man sich aber nur ungern verstehen wird. Dabei ist ein historisch getreues Musizieren große Mode.

Der Geiger, überhaupt jeder Streicher, der sich nun anschickt, das Vibrato zu meiden, sieht sich aber dann dem anderen Faktor konfrontiert. Die Vorstel­lung, daß man mit zwölf Tonhöhen in der Oktave sein Auslangen habe, nutzt ihm nichts. Das von keinem Vibrato getrübte Tonbe­wußtsein des Hörers erspürt jede Unreinheit, jede Abweichung von den im Notentext niederge­legten reinen Intervallen. Ein Mozart, Beethoven, Brahms komponierte keine temperierten Ter­zen, Quinten, Septimen, sondern reine, und der Hörer erwartet sie.

Das Ohr hört im Sinne der kleinen ganzzahligen Verhältnisse der reinen Stimmung. Alle In­tervalle unseres Konzertrepertoires lassen sich auf wenige Grundintervalle zurückführen: auf die Oktave 1:2, die Quinte 2:3, die große Terz 4:5 und die kleine Septime 4:7. Alle anderen In­ter­valle sind aus diesen vier Grundintervallen gebildet. Es sind allerdings sehr viele. Das macht ih­re Handhabung so schwierig. In dieser Fülle, in diesem Reichtum liegen aber auch die Mög­lichkeiten für eine Weiterentwicklung der Musik. Es wird einmal wieder sehr „schön“, sehr „interessant“, ja auch neuartig klingen.

Dieser Band ist das letzte Teilstück eines vollen Programms: einer an der wichtigen Strei­chergruppe entwickelten Anleitung zum Musizieren in reiner Stimmung. Vorauf gingen von Jutta Stüber die Bände

52: Die Intonation des Geigers, 371 Seiten, € 41,-
57: Mozarts Haydn-Quartette. Intonationsanalyse, 531 Seiten, 49,00 €
60: Beethovens Rasumowsky-Quartette op. 59. Intonationsanalyse, 369 S., 45,00 €
68: Schuberts Quartett „Der Tod und das Mädchen“. Anleitung zur Intonationsanalyse, 296 Seiten, 36,50 €.

Die bereits vorliegenden zehn Streichquartette werden manchen Liebhaberquartetten zu schwer sein. Jutta Stüber legt daher mit diesem fünften Band kleine, kürzere, in sich abge­schlossene Werke vor, die immerhin doch schon so gewichtig sind, daß sie im Konzertsaal ge­bracht werden können, wenn auch vielleicht nur als Zugabe. Es sind dies Stücke von Praetorius, Purcell, Tartini, Fasch, Bach, Danzi, Haydn, Beethoven, Schubert, Glasunow, Dvorák, Soko­low, Ljadow, Puccini, Bizet und Barber.

Die vorliegenden fünf Bände sollen den Quartettspieler in den Stand setzen, die enormen Intonationsprobleme zu meistern, in die er bei vibratofreiem Spiel gerät. Sie sind dann aber auch für jeden anderen Musiker oder Musikwissenschaftler bestimmt, der die Baugesetze einer auf reiner Stimmung basierenden Musiktheorie und Kompositionslehre studieren will.