Das Chorbuch zum Singen in reiner Stimmung

Jutta Stüber
Das Chorbuch zum Singen in reiner Stimmung

Teil 1, Band 103 unserer Schriftenreihe, 354 Seiten, Ganzleinen 38,00 €
ISBN 3-936626-03-0

Teil 2, Band 105 unserer Schriftenreihe, 362 Seiten, Ganzleinen 38,00 €
ISBN 3-936626-05-7

Man kennt das von vielen Chorwettbewerben her: dass ein stimmlich gut ausgestatteter, intonations bewusst geleiteter Chor auf den zweiten oder dritten Platz verwiesen wird, weil er die Stimmtonhöhe nicht halten konnte und abgesunken war. Der Grund liegt in unserer Tonbenennung und -notierung, die zwischen Terzton (ein f! als Terz von f), Quintton (ein a als Quinte von d) und Septton (ein f!- als Sept von h) nicht unterscheidet. Jenes unterstrichene f! liegt um ein „Komma“, um den vierten Teil eines Halbtons, tiefer als das ader Quintenkette; und jenes f!- ist bereits einen Viertelton (zwei Kommata) tiefer zu nehmen. Kommt es, um ein Beispiel zu nennen, in c-Dur zu einer Akkordfolge f-Dur, g-Moll,g-Dur, g7, steht das schließende c-Dur um jenes Komma zu tief. Max Planck wollte es wissen und ließ 1897 einen renommierten Berliner Chor mit einem von ihm komponierten Satz in 21 Takten um fünf Kommata absinken. Mit dem prompt eingetretenen Ergebnis bewies Planck allerdings auch, dass sein Chor wirklich „sauber“,
im Sinne der reinen Stimmung, intonierte. Wäre dann nicht die temperierte Stimmung die bessere Lösung? Auf keinen Fall! Das Ohr hört nicht temperiert. Es kann die temperierten Intervalle der zwölften Wurzel aus 2 nicht erfassen, mithin kann auch kein Musiker sie intonieren. Kein Klavierstimmer oder Orgelintonateur vermag die gleichstufige Temperierung mit dem bloßen Ohr zu legen. In unserem Konzertleben „steht sie nur auf dem Papier“. Im übrigen ist sie streng genommen eine absichtliche Verstimmung und hat keinen Ort im unbegleiteten Chorgesang. Die Schwierigkeiten liegen im Satz, im Stück selbst. Und da hilft nur das eine: die Analyse. Eben das leisten die zwei hier vorgestellten Bücher von Jutta Stüber. Sie analysiert die gängige Chorliteratur von Gesualdo bis Hugo Wolf und legt mit Hilfe von drei leicht erlernbaren Intonationszeichen die exakte Tonhöhe jeden Tones fest. Der Sänger weiß damit, wie er jeden Ton zu nehmen hat, vielleicht etwas tiefer oder höher. Und der Chorleiter weiß, wo die schwierigen Stellen liegen und wie er sie zu meistern hat. Im übrigen: es ist nicht nur ein Buch für ehrgeizige Chordirigenten, sondern auch eine vorzügliche Anleitung zur Analyse, ja auch zur Komposition. An den Tontafeln, die jedem Stück beigegeben sind, lässt sich ersehen, in welche Richtung die Harmonik weitergeführt werden kann. Der Ausgriff in die Septimen bringt neue harmonische Verbindungen, neue Intervalle – Mikrointervalle -, die durch die Einbettung gut auszuhören und demzufolge auch gut zu intonieren sind (I 348).