Onos Lyras

Martin Vogel

Onos Lyras Der Esel mit der Leier

Band 13/14 der Orpheus-Schriftenreihe, 740 Seiten, Ganzleinen, 74,00 €
ISBN 3-922626-07-6

Dieser Doppelbband ist der Kulturgeschichte des Esels gewidmet. Was aber hatte der Esel mit der Musik zu tun? Soviel immerhin, daß man ohne Vogels Saumtierhypothese die Frühgeschichte der Musik, unserer auf die Griechen zurückgehenden Musik, schlechterdings nicht verstehen kann. Wer zurückdenkt und vom Auto über das Pferd zum verlästerten Esel kommt, wird diese merkwürdigen Zusammenhänge nicht leicht einsehen können. Wer sich dagegen klar macht, daß bereits mehrere Jahrtausende vor der Domestizierung von Pferd und Kamel der Esel jenen „Eselmenschen“ als Tragtier diente, wird sich leichter hineindenken können und wird verstehen, daß dieses Tier, das ihnen neue Lebensräume und -formen erschloß, nun ihr ganzes Glauben, Denken und Handeln bestimmte.

Im Mittelpunkt des Werkes steht Jubal, der Abkömmling des Kain, der nach der Bibel die Musik erfunden haben soll. Die Bibel schreibt aber auch seinen Brüdern Jabal und Tubal zwei wichtige Erfindungen zu: die nomadisierende Lebensweise und die Erzarbeit. Martin Vogel untersucht, in welchem Zusammenhang diese drei „Erfindungen“ standen, und kommt zu dem Schluß, daß es Eselzüchter waren, die als Wanderhirten, Wanderschmiede, Wandermusiker in neue Lebensräume vorstießen. Die nomadisierende Lebensweise setzt ein Lasttier voraus. Erst die Domestizierung des Esels setzte Jabal in den Stand, mit seinen Herden in die Trockengebiete einzudringen. Der genügsame, trittsichere, schwindelfreie Esel ermöglichte die Durchquerung der Wüsten und der Hochgebirge. Aus den Eselnomaden wurden Karawanenfürsten.

Vogel schildert, wie sich die wirtschaftliche Bedeutung des Esels in allen Lebensbereichen und sogar im Kult niederschlug. Da Jubal, Jabal und Tubal Abkömmlinge des Kain waren, die Kainiten aber unter dem besonderen Schutz Jahwes standen, geht Vogel ausführlich auf den umstrittenen Eselkult der Hebräer ein. Als Musikwissenschaftler ist er natürlich in erster Linie an der Frage interessiert, welche Funktion die Musik bei diesen Eselnomaden hatte. Sie muß bei ihnen einen festen Ort gehabt haben, denn wichtige Ausdrücke der Musik: Hallelujah, Jubilus, Harmonia, Bordun, Aulos, Schalmei, schließlich dann selbst das Wort „Musik“, gehen auf diese Männer und ihre Bräuche zurück.